Der Biber

bieber

„Männer können seine Gefühle nicht zeigen“ hieß das 1995er Album von Fischmob und davon handelt auch „The beaver“, wie er im amerikanischen Original heißt. Wie in dem Film „Lili“, wird die männliche Sprachlsoigkeit um einen weiteren Aspekt ergänzt: „Männer können seine Gefühle nur über die Puppe zeigen“. Interessantes Thema, grundsätzlich, das Fragen nach Selbstwahrnehmung, Spiel und Form aufwirft. In „The Beaver“ kommt noch das große Modethema Depression hinzu.
Es ist aber für Leute vom Fach in erster Linie schön, den großen Mel Gibson mit einer Klappmaulpuppe auf dem Arm zu sehen. Was die spielerische Trennung von Puppen und Spieler angeht, wäre sicher noch mehr drin gewesen. Da müssen wir wahrscheinlich auf das Remake mit Neville Tranter warten…

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Lili

Lili (Film)

Für mich die Mutter aller Filme mit oder über Puppen: Lili von 1953. Basierend auf Paul Gallicos Erzählung „The Man Who Hated People“ geht es hier um das Verhältnis, das Spieler, Mitspieler und Zuschauer zu Theaterfiguren entwickeln können: über das Spiel der Puppen geraten eine naive junge Frau und ein verbitterter Tänzer zueinander; er kann seiner Liebe nur über die Puppen Ausdruck geben, sie verliert sich distanzlos in seinem Spiel. Sehenswert sind auch die Umstände des Jahrmarktpuppentheaters, wie sie den Machern des Films in den 50er Jahren vor Augen standen: die Bude mit der halbtransparenten Kulisse, die Jahrmarktumgebung und die Puppen. Deren Vielseitigkeit ist so erstaunlich, dass ich mich frage, ob sie wirklich nur von einem Spieler gespielt werden. Wenn ja, dann sind sie stupende animiert und auch die Puppenbauer verdienen Erwähnung: Michael O’Rourke und Paul E. Walton.

Hier geht es zum Wikipedia-Artikel über Lili.

Lili – Die ganze Geschichte

Alles beginnt um 1936 mit Roosevelts New Deal. Im Rahmen dessen, gibt es auch eine Behörde, genannt Works Progress Administration. In deren wiederum Auftrag baut ein gewisser Burr Tillstrom in Chicago ein Puppentheater auf. Dort entwickelt er ein Format, mit dem er unter dem Namen Kukla überregionale Aufmerksamkeit auf sich zieht. Der Name „Kukla“ hat nicht zufällig Ähnlichkeit mit dem russischen Wort für Puppe, Tamara Toumanova (Bild unten), eine russische Ballerina gab der namenlosen Figur diesen Namen.

Tamara_Toumanova

Von 1947 bis 1957 spielt Tillstrom mit seinen Puppen in der Kukla, Fran and Ollie Show mit. Als menschliche Mitspielerin vor der Spielleiste agiert die Radiomoderatorin und Sängerin Fran Allison.
Aus dieser Show bezieht Paul Gallico die Idee zu seiner Kurzgeschichte The Man Who Hated People, die 1950 in einer Zeitung zuerst abgedruckt wird.

Diese Kurzgeschichte schließlich liefert die Grundidee zu dem MGM-Film Lili mit den damaligen Stars Leslie Caron und Mel Ferrer. Die Adaption der Story unternimmt die Drehbuchautorin Helen Deutsch, auf die damit auch die Verlegung der Handlung nach Frankreich zurückgeht. Paul Gallico arbeitet diese erweiterte Geschichte in seine Erzählung The Love of the Seven Dolls um. Gallicos Erzählung ist wesentlich düsterer als der tanz- und farbenfrohe Film. Der Charakter seines Puppenspielers erinnert an Zampano aus Fellinis 1954 gedrehtem Melodram La Strada. 
1961 kommt am Broadway das Musical Carnival! heraus, eine Adaption des Films, in der die Rolle des Zauberers aufgewertet ist, die sich aber ansonsten eng an das französische Setting des Films hält. Eine geplante Verfilmung des Musicals wird nie realisiert.
Tamara Toumanova„. Licensed under Public domain via Wikimedia Commons.