Eine Übersetzung

Penny Francis ist die Grand Old La­dy des britischen Puppentheaters. Ihre Erfahrungen hat sie in Puppetry: A Reader in Theater Practice zusammengefasst. Ein gut gemachtes Buch, das alle Aspekte der Kunstform beleuchtet. So heißen die Kapitel „Approach“, „Related Arts“, „Techniques“, „In Performance“, „Dramaturgy“, „Aesthetics“ und „History“. Ich habe es per Fernleihe bekommen, und bisher nur durchgeblättert. Dabei bin ich auf einen ganz feinen Text gestoßen, mit dem Francis ihr Buch beschließt. Ich musste ihn einfach übersetzen! Voilà, hier ist er: 

Zum Abschluss

Für die einen sind Puppen Ausdruck menschlicher Spiritualität, Symbole der Einheit des Menschen mit dem Göttlichen. Für die anderen sind sie Kinderspielzeug, Holzköpfe für einen hingeworfenen Spaß. Manche Puppen entstehen als Kunstwerke, gemacht, um in einem übersinnlichen oder künstlerischen Zusammenhang zu wirken. Andere wiederum werden gebaut, um der Menge mit Verwandlungen und Tricks zu gefallen.
Jede dieser Herangehensweisen stellt einen Ausschnitt aus dem Ganzen dar, ist in ihrem Zusammenhang berechtigt.

Wie auch immer der Einzelne darüber denkt, das zeitgenössische Theater hat sich das metaphorische und symbolische Potenzial des Puppentheaters einverleibt und nutzt seine theatrale Kraft in einer Vielzahl von Situationen, in denen der menschliche Darsteller überfordert oder überflüssig wäre. Puppen und beseelten Objekte können szenische Situationen spiegeln, verstärken und interpretieren. Ihre Sprache wird auf der ganzen Welt verstanden, denn sie brauchen wenig Worte. Puppen setzen sich in Beziehung zu dem Umfeld, in das sie gestellt werden. Zuvorderst nehmen Sie den Geist dessen auf, der sie spielt oder baut, dann den ihrer Beobachter.
Sie sind eine Mischung aus Skulptur und Schauspieler, aus bühnenbildnerischem Element und Hauptdarsteller.

Mit diesem Abriss der zeitgenössischen Welt des Puppentheaters habe ich versucht dieser Zweiheit der Auffassungen zu entsprechen, der spirituellen und der weltlichen.
Victoria Nelson schreibt:

Die Wahrheit kann nur darin liegen, beide Ansichten anzunehmen, denn sie ergänzen sich. Keine der Auffassungen sollte zu einem harten Dogma oder Aberglauben ausarten, wenn sie sich ihrer Grenzen bewusst sind. Probleme gibt es nur, wenn wir die Bereiche vermischen und von dem Übersinnlichen erwarten, den Anforderungen des Handfesten zu entsprechen und umgekehrt.

Puppentheater, dieses tot-oder-lebendig-Phänomen, gehört beiden Welten an, bereichert gleichermaßen Seelen-Sucher und Vergnügungs-Süchtige – und das Leben.

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